Meldungen

Plasma plus Kavitation: Kaltes Atmosphärendruckplasma zerstört toxische Schadstoffe an der Grenzfläche zwischen Gasblasen und Wasser.
Foto: B. Schröder – HZDR

„Ewigkeitschemikalien“ schneller abbauen

In der öffentlichen Diskussion sind die unter dem Kürzel PFAS bekannten per- und polyflourierten Alkylsubstanzen stark umstritten. Manche PFAS stehen im Verdacht, das Erbgut zu verändern und Krebs zu erzeugen. Deshalb werden am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) Verfahren zum Abbau der sogenannten Ewigkeitschemikalien entwickelt. Ein Weg, diese besonders widerstandsfähigen Chemikalien zu zersetzen, ist die Kavitation. Aufgrund ihrer Oberflächenaktivität setzen sich PFAS an durch Verengung erzeugte Gasblasen. Durch hohen Druck entstehen hohe Temperaturen. So werden rund 37 Prozent der PFAS aufgebrochen, beschreiben die Forschenden im Fachjournal CEJ Advances. Eine weitere Möglichkeit ist die Nutzung einer hochreaktiven Plasmaspezies. Diese wird an der Wasseroberfläche erzeugt. Mit Gas werden die PFAS an die Oberfläche geleitet und dort vom Plasma zersetzt. Das Verfahren funktioniert ohne Katalysator, ist jedoch energieintensiv und erzeugt unerforschte Nebenprodukte. Daher wird weiterhin an den Abbauraten und der Kombination beider Verfahren gearbeitet.

IAB: Arbeitgeberwechsel längst Norm im Berufsleben

Im Laufe ihres Erwerbslebens arbeiten die meisten Beschäftigten für mehrere Arbeitgeber, stellt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) fest. Demnach arbeiten junge Beschäftigte im Alter von 25 bis 34 Jahren sowie Beschäftigte in der mittleren Erwerbsphase im Alter von 35 bis 49 Jahren im Schnitt für 2,7 verschiedene Arbeitgeber. Mit Beginn der späteren Erwerbsphase geht die Wechselhäufigkeit deutlich zurück: Menschen im Alter von 50 bis 60 Jahren arbeiten nur für durchschnittlich 1,8 unterschiedliche Arbeitgeber. Laut IAB haben weniger als 40 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der mittleren Erwerbsphase durchgängig nur einen Arbeitgeber. 23 Prozent sind in diesem Zeitraum bei zwei Arbeitgebern beschäftigt, weitere 29 Prozent bei drei bis fünf Arbeitgebern. Neun Prozent der Beschäftigten haben sechs oder mehr verschiedene Arbeitgeber und damit einen eher unsteten Erwerbsverlauf.

3-D-Animation einer B-Zelle auf anodisiertem Aluminiumoxid. Die Zellfortsätze (Mikrovilli) dringen in die Nanoporen der Oberfläche ein.
Grafik: Enrico Klotzsch – Hereon

Immunzellen auch „mechanisch“ aktivierbar

Sogenannte B-Zellen produzieren Antikörper gegen Krankheitserreger. Üblicherweise wird eine Immunreaktion biochemisch ausgelöst. Diese Zellen können jedoch auch aktiviert werden, wenn sie auf Materialien mit einer ganz bestimmten Oberflächenstruktur treffen. Das haben Forschende des Helmholtz-Zentrums Hereon, der Humboldt-Universität zu Berlin, des Berlin Institute of Health in der Charité und des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen herausgefunden. Das Team hat die Immunzellen auf speziell hergestellte Oberflächen aus anodisiertem Aluminiumoxid gesetzt. Die Ergebnisse der Fachjournal Advanced Science vorgestellten Studie erweitern das Verständnis, wie Immunzellen ihre Umgebung wahrnehmen und eröffnen neue Möglichkeiten für Immuntherapien und Biomaterialien.

BASF Ludwigshafen: Anmeldung zur Werksgruppenversammlung

Am 2. November 2026 führt die Werksgruppe BASF Ludwigshafen ihre jährliche Mitgliederversammlung durch. Das Format ist online, der Beginn ist um 14:30 Uhr. Die VAA-Mitglieder werden per E-Mail über die Tagesordnung und die Einwahldaten informiert. Wichtiger Hinweis: Für Mitglieder ohne technische Voraussetzung zur Teilnahme kann der Zugang zum Beispiel auch über Bekannte erfolgen. Diese können die Einladung beziehungsweise den Registrierungslink über die E-Mail-Adresse werksgruppe-basf@vaa.de anfordern.

Quantenmechanik hilft bei Vermessung von Molekülen

Seit Jahrzehnten wird Licht dazu verwendet, die molekularen Strukturen von Materie zu verstehen. Dazu wird eine Probe zum Beispiel mit Licht bestrahlt und gemessen, bei welchen Wellenlängen Licht absorbiert wird. Da jedes Molekül Licht abhängig von seiner Struktur nur bei ganz bestimmten Frequenzen absorbiert, wirkt das entstehende Absorptionsspektrum wie ein molekularer Fingerabdruck. Bei einzelnen Molekülen ist dieses Signal jedoch verschwindend gering und kann meistens nicht vom Rauschen unterschieden werden. Mit einem quantenphysikalischen Trick ist es einem Team am Institut für Experimentalphysik der Universität Innsbruck gelungen, das Spektrum eines einzelnen Calciumhydroxidmoleküls zu messen: Die Methode ermögliche die Messung und Präparierung des Quantenzustands einer Vielzahl von Molekülarten. Veröffentlicht wurde die Studie in der Fachzeitschrift Nature.

Die Verschränkung von Molekül und Atom in einen sogenannten Schrödinger-Katzen-Zustand macht das Atom zum Sensor für Veränderungen am Molekül.
Grafik: Uni Innsbruck

Neues aus den Communitys

In der VAA-Werksgruppe Evonik Darmstadt ist im Frühsommer 2026 ein neuer Vorstand gewählt worden: Den Werksgruppenvorsitz hat Andrea Schäuffele inne. Stellvertretende Vorsitzende ist Dr. Tina Maria Sommer, Schriftführer ist Markus Fähnrich. Zu den weiteren Mitgliedern des Gremiums gehören Dr. Markus Scharfenberg, Dr. Benjamin Häfner und Dr. Christian Müller. Ein neuer Vorstand wurde auch in der Werksgruppe CSL Behring gewählt: 1. Vorsitzender ist Dr. Christian Sinnen, 2. Vorsitzende ist Dr. Sybille-Kristine Bertram. Weitere Werksgruppenvorstandsmitglieder sind Dr. Carlotta Debnar-Daumler, Dr. Mirko Altenkämper und Marco Donges.

  • Gibt es Änderungen bei Ihren Daten?

    Haben sich Ihre persönlichen Mitgliedsdaten verändert? Haben Sie Ihren Arbeitgeber und damit auch Ihre Werks- oder Landesgruppe gewechselt? Vergessen Sie bitte nicht, Änderungen rechtzeitig der VAA-Mitgliederverwaltung mitzuteilen.

    E-Mail an die Verwaltung
  • Infomaterialien auf MeinVAA

    Im Zusammenhang mit dem neuen VAA-Markenauftritt werden alle Infomaterialien zur Unterstützung des ehrenamtlichen Engagements überarbeitet – zu finden auf der Mitgliederplattform MeinVAA im Bereich „Service“ unter „Publikationen“ im Menüpunkt „Verbandsarbeit“.

    Infomaterialien auf MeinVAA

Personalia aus der Chemie: Claus Rettig übernimmt vorläufig Evonik-Führung von Christian Kullmann

In einer außerordentlichen Sitzung hat der Aufsichtsrat Dr. Claus Rettig zum 1. September 2026 in den Vorstand der Evonik Industries AG berufen und ihn zum Stellvertretenden Vorsitzenden ernannt. Der 66-Jährige ist seit über 30 Jahren im Unternehmen und leitet das Asiengeschäft von Evonik als Generalbevollmächtigter in Singapur. Rettig übernimmt bis auf Weiteres die Aufgaben von Christian Kullmann, der sich in den kommenden Wochen von einer schweren, ungeplanten Operation erholt. Seine Asienverantwortung wird Rettig weiter wahrnehmen. Claus Rettig verbrachte nach dem Chemiestudium sein gesamtes Berufsleben in der chemischen Industrie. 2003 war er in den Vorstand von Goldschmidt berufen worden, später Teil von Evonik. Ab 2015 leitete Rettig bei Evonik das Segment Resource Efficiency und gehörte seit 2020 dem erweiterten Vorstand an. 2022 wurde er zum Generalbevollmächtigten ernannt und übernahm die Verantwortung für die gesamte Region Asien-Pazifik. Rettig ist verheiratet und hat eine Tochter.

Weitere Personalia und Nachrichten aus der Chemie gibt es auf der Website des VAA-Kooperationspartners CHEManager.

Logo der Zeitschrift CHEManager Dr. Claus Rettig ist Stellvertretender Vorsitzender des Vorstands der Evonik Industries AG.
Foto: Evonik Industries AG

Gute Führung für bessere Gesundheit

Nicht wenige abhängig Beschäftigte erfahren Leistungsdruck und Belastung bei der Arbeit. Was Unterstützung von Vorgesetzten damit zu tun hat, zeigt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) in ihrer „BIBB/BAuA Erwerbstätigenbefragung 2024“. Immerhin 62 Prozent der Befragten erhalten häufig Unterstützung durch die Führungskraft, 40 Prozent Anerkennung. 77 Prozent der Personen ohne Unterstützung geben an, von Leistungsdruck betroffen zu sein. Die Studie zeigt: Je mehr Unterstützung man von Vorgesetzten erhält, desto weniger wird Belastung im Arbeitsalltag wahrgenommen. Es besteht Entwicklungsbedarf, denn nicht jeder Beschäftigte erhält die Wertschätzung, die sich gewünscht wird. Die Vorteile für Gesundheit und Wohlergehen sorgen für ein besseres Betriebsklima.

Aminosäuren als Puffer im Stoffwechselhaushalt

Wenn Muskeln intensiv arbeiten, läuft der Stoffwechsel auf Hochtouren. Dabei treten vermehrt sogenannte N-acetylierte Aminosäuren auf – chemisch veränderte Aminosäuren, an die eine sogenannte Acetylgruppe gebunden ist. Welche Funktion diese Moleküle erfüllen, ist bislang weitgehend ungeklärt. Eine Übersichtsarbeit des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) liefert ein neues Erklärungsmodell: N-acetylierte Aminosäuren könnten eine Art Puffer im Stoffwechsel bilden, indem sie Aminosäuren und Acetylgruppen vorübergehend binden und später wieder verfügbar machen.

Unter Volllast: Bei intensiver körperlicher Belastung beobachteten Sportwissenschaftler des KIT im Blut von Testpersonen einen Anstieg N-acetylierter Aminosäuren. Daraus entstand die Frage nach ihrer Funktion im Stoffwechsel.
Foto: IFSS, KIT

Unzufriedenheit mit „Return-to-Office“ gestiegen

Seit der Coronakrise hat sich die Nutzung von Homeoffice stark verändert. Wie sieht es heute aus? Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung beschäftigt sich seit Beginn der Pandemie mit Homeoffice und den Gesundheitsaspekten. Zwischen Januar und April 2020 sank die Zahl der ausschließlich im Betrieb Arbeitenden zunächst deutlich von 83 auf 53 Prozent. Laut einer neuen WSI-Studie arbeiteten von November 2024 bis November 2025 bereits 64,5 Prozent wieder ausschließlich im Betrieb. Beschäftigte mit Berufsausbildung nutzten Homeoffice zu 69 Prozent, Akademikerinnen und Akademiker zu 36,6 Prozent. Die Zufriedenheit mit Homeoffice variiert: Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, deren Aufgaben sich für die Arbeit aus dem Homeoffice eignen, würden diese gern zu einem Drittel zu Hause zu erledigen. Ein Viertel möchte den Anteil an Homeoffice erhöhen. Die Unzufriedenheit liegt zum Teil an Return-to-Office-Initiativen oder fehlenden Angeboten, was sich auf die Gesundheit auswirkt. Denn die Arbeitsbelastung steige und das Wohlergehen sinke, so das WSI. Auch das Familienleben und die Freizeit leiden. Dabei sei Homeoffice vorteilhaft für Krankheitsprävention und die Work-Life-Balance: Besonders Eltern sparen Zeit und sind flexibler.

Blick in die molekulare Vergangenheit: Die 3-D-Struktur zeigt den rekonstruierten Vorfahren der diDNasen (A1). Anhand dieses „wiederbelebten“ Proteins untersuchen die Forschenden, wie sich unterschiedliche Funktionen im Laufe der Evolution entwickelt haben.
Grafik: Holger Sondermann – DESY

„Wiederbelebtes“ Protein gibt Hinweise auf Enzymevolution

Wie entstehen unterschiedliche Funktionen aus verwandten Proteinen? Dieser Frage ist ein Forschungsteam unter Beteiligung des Deutschen Elektronen-Synchrotrons DESY und dem Centre for Structural Systems Biology nachgegangen. Die Forschenden haben einen gemeinsamen Vorfahren zweier bakterieller Enzyme rekonstruiert und das heute nicht mehr existierende Protein im Labor hergestellt. Die im Fachjournal Science Advances veröffentlichten Ergebnisse zeigen, wie sich unterschiedliche Funktionen von Proteinen im Laufe der Evolution entwickeln können. Die beiden untersuchten Enzyme gehören zu den sogenannten Nukleasen: Proteine, die bestimmte Moleküle aus den Bausteinen der Erbinformation zerlegen. Den Experimente zufolge besaß der rekonstruierte Vorfahr Eigenschaften zwischen den beiden heutigen Enzymen. Im Laufe der Evolution entwickelten sich daraus zwei Linien mit unterschiedlichen Funktionen.