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Achtung: Das ist wahrscheinlich meine vorvorletzte Kolumne. Im März ist nämlich Schluss für uns alle: Der Chef des KI-Entwicklers Anthropic verwies kürzlich darauf, dass seine Produkte in der Lage wären, innerhalb von sechs bis zwölf Monaten das gesamte Internet zu übernehmen. Der Tag des Jüngsten Gerichts ist also nahe. Der Anthropic-Sicherheitsexperte wiederum schätzte das Risiko, dass eine Super-Intelligenz alle Menschen tötet, auf „über zehn Prozent“ innerhalb der nächsten zehn Jahre. Da das „über“ nicht genau definiert ist, bleiben uns also noch zwischen 90 oder eben null Prozent, um den Stecker zu ziehen. Deshalb will die KI-Branche die Entwicklung ihrer Produkte nun auch verlangsamen. Das grenzt schon an Schizophrenie, wenn die KI-Chefs Altman, Musk und Amodei erkennen, dass sie zwar die neuzeitlichen Oppenheimer sind, den gegen die Wand fahrenden Karren aber nicht etwa stoppen, sondern erst einmal nur das Tempo drosseln.
Apropos Tempo drosseln: Ende August konnte man bei der Olympiade der humanoiden Roboter ein chinesisches Modell dabei beobachten, wie es beim 100-Meter-Lauf den Weltrekord von Usain Bolt um 19 Zehntelsekunden unterbot. Respekt! Nur gab es zwei erhebliche Unterschiede. Usain Bolt lief seinen Weltrekord vor 18 Jahren noch mit offenem Schnürsenkel – der Roboter hatte noch nicht einmal Schuhe an. Und während der Maschinenmensch im Ziel mit voller Wucht ungebremst gegen eine Matte krachte und anschließend auf einer Bahre ins Ersatzteillager getragen werden musste, tanzte Usain Bolt nach seinem Sieg noch Reggae auf einer Ehrenrunde. Rücksicht aufeinander nehmen die Humanoiden nicht. In die Matte krachten bei der Roboter-Olympiade in Peking gleich mehrere Dutzend Teilnehmer und stapelten sich im Ziel als Schrotthaufen.
Und während flitzende Roboter für einprägsame Bilder sorgen, findet bei den KI-Sprachmodellen im Verborgenen eine selbst von den Entwicklern nicht mehr zu durchschauende Verselbstständigung statt. Und so gilt, nicht ganz uneigennützig, bei den US-amerikanischen KI-Entwicklern, die fleißig ihre Börsengänge vorbereiten beziehungsweise werbewirksam verschieben: „Was du nicht willst, dass man dir tu‘, das füg‘ auch keinem anderen zu.“ Wohlwissend, dass die Chinesen schnell aufholen und ihnen auch nicht verborgen bleibt, was auf amerikanischer Seite gerade schief läuft. Trump meint lapidar: „Wer bei KI gewinnt, gewinnt!“ Und er will keinesfalls wieder so ablosen wie beim Irankrieg. Dieser Konflikt sorgt in Deutschland zu erheblichem Preisdruck an den Tankstellen.
Der Kanzler wollte Lösungen anbieten und seinem Volk helfen. Viele hatten Sorge dass er nun die 60-Stunden-Woche vorschlägt. Denn wer mehr arbeitet, verdient auch mehr und kann sich dann auch wieder teuren Sprit leisten. Andere befürchteten auch, dass Merz ankündigt, den Spritpreis halbieren zu wollen. Weil diese Strategie wohl auch dafür verantwortlich war, dass die AfD ihre Wahlergebnisse verdoppeln konnte, müsste man mit Hamsterkäufen an den Tankstellen rechnen, bevor die Kraftstoffpreise durch Merz auf über fünf Euro steigen. Damit wären wir dann bei dem, was die Grünen im Jahr 1998 gefordert hatten, nämlich den Fünf-Mark-Beschluss. Aber eben D-Mark und nicht Euro. Somit wären die Grünen rückwirkend diejenigen, die den Spritpreis zukünftig halbieren wollten, wenn Merz jetzt halbieren wollte, damit aber kurzfristig verdoppeln würde. Verrückt!
1998 kostet der Liter Benzin übrigens 1,60 D-Mark, also rund 82 Cent. Gute alte Zeit. Und mit genau diesem Versprechen – zurück in die 90er – hat die AfD in Sachsen-Anhalt die Wahl gewonnen. Und natürlich auch, weil Uwe Steimle die DDR-Hymne anstimmen ließ. Kollege Steimle – dem ich ja durchaus hoch anrechne, eine Parteiführung dazu bewegt zu haben, die DDR-Hymne zu singen, obwohl sie und ihre Wähler immer gern kundtun, sie fühlten sich in Deutschland mittlerweile wie in einer DDR 2.0. Da ist das Anstimmen der DDR-Hymne schon ein ziemlich genialer satirischer Schachzug. Dumm nur, dass Steimle die DDR-Hymne überall anstimmt, wo er nur kann. Dumm auch, dass er mit Blick auf Friedrich Merz fragte, wo denn der Staufenberg bliebe, wenn man ihn mal brauche. Was für ein grober Fail! Merz mit Hitler zu vergleichen! Was soll das? Das hinkt gewaltig, wie Goebbels bei der Sportpalastrede. Und ist historisch absolut unkorrekt. Denn es gibt einen gewaltigen Unterschied zwischen Hitler und Merz. Hitler war als Kanzler bei seinem Volk beliebt!
Während ich diese Kolumne schreibe, ist gar nicht klar, ob Friedrich Merz bei Erscheinen des Hefts überhaupt noch auf seinem Posten sitzt. In Berlin ist gerade wieder so eine Art Bunkerstimmung, wie im April 1945. Jetzt ist mir doch tatsächlich selbst so ein blöder Hitler-Vergleich rausgerutscht. Aber ich habe in den letzten Tagen ja durchaus gelernt: Notbremse ziehen – Schluss machen, wenn‘s aus dem Ruder läuft.
Mit seinen verschiedenen Kabarettprogrammen reist der Dresdner Kabarettist Erik Lehmann quer durch Deutschland und hat auch schon diverse Preise gewonnen. Unter dem Pseudonym Uwe Wallisch vertreibt der passionierte Hobbyimker zudem seinen eigenen Honig. Auf der Website www.knabarett.de ist Lehmann jederzeit käuflich und bestellbar. Honig gibt es auf uwes-landhonig.de.