ULA Nachrichten

Kommentar von Roland Angst

Manche Jubiläen laden vor allem zum Rückblick ein. Dieses nicht. Der Deutsche Führungskräfteverband ULA feiert 2026 sein 75-jähriges Bestehen. Das ist ein Anlass zum Feiern – ohne Frage. Vor allem ist es aber ein Moment zur Standortbestimmung. Dass der feierliche Jubiläumsempfang unmittelbar im Anschluss an den Deutschen Führungskräftetag 2026 stattfand, war deshalb kein Zufall, sondern ein bewusstes Signal: Wer auf 75 Jahre erfolgreiche Verbandsgeschichte zurückblickt, tut dies nicht aus Nostalgie, sondern mit dem Anspruch, Zukunft aktiv mitzugestalten. 

Wie aktuell und relevant dieser Anspruch ist, hat der Führungskräftetag eindrucksvoll gezeigt. Führungskräfte erleben tiefgreifende Veränderungen: - in Unternehmen, Märkten, Arbeitswelt und Gesellschaft. Technologischer Wandel, wirtschaftliche Unsicherheit, geopolitische Spannungen und gesellschaftliche Polarisierung verändern die Rahmenbedingungen von Führung grundlegend. Viele Gewissheiten vergangener Jahrzehnte tragen nicht mehr selbstverständlich. Umso größer ist die Verantwortung derjenigen, die Entscheidungen treffen, Orientierung geben und Wandel gestalten.

Unser diesjähriges Motto lautete daher bewusst: „Mutig führen – Haltung zeigen – Zukunft prägen.“ Es beschreibt nicht nur den Anspruch unseres Führungskräftetages, sondern auch den Kern dessen, wofür unser Verband seit 75 Jahren steht. Seit seiner Gründung ist der Deutsche Führungskräfteverband ULA die organisierte Stimme der Führungskräfte in Deutschland – unabhängig, verantwortungsbewusst und mit einem klaren Bekenntnis zu Sozialpartnerschaft, Mitbestimmung und wirtschaftlicher Vernunft. Diese Grundhaltung war nie Selbstzweck. Sie war immer Ausdruck der Überzeugung, dass wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftliche Verantwortung zusammengehören.

Die Beiträge, Diskussionen und Begegnungen beim Führungskräftetag haben eines deutlich gemacht: Zukunft entsteht nicht durch Abwarten. Auch technologische Innovation allein wird die Herausforderungen unserer Zeit nicht lösen. Entscheidend sind Menschen, die Verantwortung übernehmen, Orientierung geben und Veränderung mit Mut und Gestaltungswillen begleiten. Diese Ausgabe trägt diesem besonderen Moment Rechnung. Sie blickt auf einen intensiven Führungskräftetag zurück, dokumentiert Impulse und Diskussionen zur Zukunft von Führung und versteht sich zugleich als Festschrift für ein besonderes Jubiläum.

Roland Angst ist Präsident des Deutschen Führungskräfteverbands ULA.
Roland Angst ist Präsident des Deutschen Führungskräfteverbands ULA. Foto: Deutsche Telekom
Gruppenfoto vom Vorabendevent des Deutschen Führungskräftetags 2026 in Berlin.
Foto: Jens Schicke – ULA

ULA Intern: Netzwerkabend in der DPG

Am 19. Mai 2026 hat die jährliche Mitgliederversammlung des Deutschen Führungskräfteverbands ULA stattgefunden. Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Mitgliedsverbände wurde auf das vergangene Verbandsjahr zurückgeblickt. 

Im Anschluss fand ein Netzwerkabend in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft (DPG) statt. Als Vorabendveranstaltung zum Deutschen Führungskräftetag 2026 bot er unter der Schirmherrschaft des Bundestagsabgeordneten und Arbeitnehmergruppenvorsitzenden Dr. Stefan Nacke (CDU) einen besonderen Rahmen für intensive Gespräche in persönlicher Atmosphäre. Vertreterinnen und Vertreter der Mitgliedsverbände, Mitarbeitende der Geschäftsstelle sowie langjährige Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter nutzten die Gelegenheit, um sich über aktuelle Entwicklungen in Politik, Wirtschaft und Arbeitswelt auszutauschen.

Am Abend wurde zudem der langjährige Hauptgeschäftsführer Ludger Ramme offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Mit viel Leidenschaft, Verlässlichkeit und Weitblick hatte er die ULA über mehr als 30 Jahre entscheidend geprägt und weiterentwickelt. Der Vorstand würdigte seine Verdienste und dankte ihm im Namen des gesamten Verbands herzlich für seinen langjährigen Einsatz.

Deutscher Führungskräftetag 2026

Coverfoto der ULA Nachrichten, Ausgabe Juni 2026.
Fotos: Jens Schicke – ULA

Mutig führen – Haltung zeigen – Zukunft prägen

Wie Führung in Zeiten der Transformation gelingt – ein Rückblick auf den Deutschen Führungskräftetag der ULA, der am 20. Mai 2026 in Berlin stattgefunden hat.

Künstliche Intelligenz, neue Arbeitsformen und anhaltender wirtschaftlicher Transformationsdruck verändern die Arbeitswelt nicht nur grundlegend, sondern auch in einem immer schnelleren Tempo. „Wir leben in einer Zeit tiefgreifender Umbrüche, die Unternehmen, Führungskräfte und Beschäftigte gleichermaßen unter Druck setzen“, erklärte ULA-Präsident Roland Angst zum Auftakt der Veranstaltung. 

Zugleich zeigt sich in den laufenden politischen Debatten um Arbeitszeit, höhere Sozialabgaben und eine Aufweichung des Kündigungsschutzes, wie schnell Arbeitnehmer- und Mitbestimmungsrechte hinterfragt werden, wenn die eigene Wettbewerbsfähigkeit in Frage steht. Für Führungskräfte bedeuten diese Entwicklungen immer öfter höhere Anforderungen, riskantere Entscheidungen, massiven Innovationsdruck – und gleichzeitig weniger Rückhalt, weniger Netto vom Brutto und unklare Zukunftsperspektiven.

Als Antwort auf diese Debatten setzte der Deutsche Führungskräfteverband ULA beim Deutschen Führungskräftetag 2026 ein klares Signal: Wettbewerbsfähigkeit und faire Arbeitsbedingungen dürfen kein Gegensatz sein. Wer mehr Leistung erwartet, muss auch verlässliche Rahmenbedingungen schaffen, die Transformation ermöglichen. Unter dem Motto „Mutig führen – Haltung zeigen – Zukunft prägen“ kamen in Berlin bereits zum vierten Mal Führungskräfte sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zusammen, um zentrale Zukunftsfragen zu diskutieren.

Neue Arbeitswelt, neue Regeln


Den inhaltlichen Auftakt gestaltete Prof. Gregor Thüsing von der Universität Bonn mit einem Impuls zur arbeitsrechtlichen Zukunft der leitenden Angestellten. „Das Führen von KI ist eine Aufgabe, die gerade leitenden Angestellten in der neuen Arbeitswelt zukommen wird“, so Thüsing. „Sie sind diejenigen, die KI korrigieren dürfen.“

Welche politischen Rahmenbedingungen es für die neue Arbeitswelt braucht und wie man diese auch in herausfordernden Zeiten mit einer starken Wirtschaft in Einklang bringen kann, diskutierten Nicole Büttner (FDP), Steffen Kampeter (BDA), Esra Limbacher (MdB SPD) und Dr. Birgit Schwab (VAA). Sie sprachen über Spielräume für Innovation, das komplette Neudenken von KI-Prozessen und den Wert des Sozialen Dialogs in der Transformation.

Künstliche Intelligenz als Treiber der Transformation


Die digitale Transformation hat durch Künstliche Intelligenz die Qualität einer Disruption erreicht. „Um die KI so zu nutzen, dass wir von den Chancen profitieren – ohne durch Risiken Schaden zu nehmen – brauchen wir intellektuelle Neugierde und Weisheit“, führte Prof. Dr. Eric Kearney von der Universität Potsdam aus. Dr. Annika von Mutius zeigte die praktischen Chancen Künstlicher Intelligenz auf, die sie mit ihrem Unternehmen Empion in Personalentwicklung und Talentmanagement nutzt: „Wir sollten KI nicht primär als Bedrohung betrachten, sondern als Werkzeug zur Lösung struktureller Probleme.“

Qualifikation und Verantwortung


Vielen Fach- und Führungskräften ist bereits bewusst, dass sie sich weiterbilden müssen, um in der Transformation mitzuhalten. Aber was heißt das genau? Nach einem Überblick von Dr. Jörg Habich (Liz-Mohn-Stiftung) über die zentrale Rolle von Qualifizierung für eine erfolgreiche Transformation diskutierten vier Führungskräfte aus unterschiedlichen Branchen, wie sie sich ganz konkret auf die Anforderungen der Zukunft vorbereiten: Die grüne Bundestagsabgeordnete Katharina Beck sprach über politische Führung und Vertrauen, während Dr. Anke Henrici (Bayer AG) und ULA-Vizepräsident Dr. Benjamin Koch auf den Umgang mit Unvorhersehbarkeit in Krisenzeiten und der Relevanz von Menschlichkeit in der Führung eingingen. Jannis Poestges (Netflix) ergänzte, wie wichtig die Vorbildfunktion von Führungskräften ist – bei Weiterbildung ebenso wie bei demokratischer Haltung.

In jedem Jahr ist es der ULA ein Anliegen, den Deutschen Führungskräftetag dazu zu nutzen, in den direkten Austausch mit den Teilnehmenden zu treten – dieses Jahr mit Deep Dives zu zentralen Themen aus der Führungspraxis: Sprecherausschussarbeit, neue Führungslust, Mitarbeiterbindung und der Umgang mit KI.

Innovation und Transformation


Wie Transformation und Innovation in unterschiedlichen Branchen gelingen kann – von Chemie und Pharma bis zur Tech-Branche und Start-up-Förderung – und welche Rahmenbedingungen es dafür braucht, diskutierten Marc Biadacz (MdB CDU), Dr. Christoph Gürtler (VAA), Oliver Hartmann (Siemens), Denise Helwerth (CURIA) und Franziska Röhr (Gateway Factory). Sie waren sich einig: Innovation braucht Freiraum und Mut, das richtige Maß an Regulierung – und Umsetzung statt Ankündigungen.

Adrian Willig (Verein Deutscher Ingenieure) warf einen Blick auf die Bedeutung von Führung in Schlüsseltechnologien und die Rolle technischer Innovationen für die Zukunftsfähigkeit des Standorts aus Sicht der Ingenieurinnen und Ingenieure. „Offenheit für Technologien und ein grundlegendes Technologieverständnis werden zur Voraussetzung für Innovation und wirtschaftlichen Erfolg.“

Ralph Brinkhaus, ehemaliger Fraktionsvorsitzender und heutiger Sprecher für Digitales und Staatsmodernisierung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, blickte mit Optimismus in die Zukunft, mahnte aber auch an: „Es liegt jetzt an uns, was wir aus unseren guten Grundlagen machen!“

75 Jahre ULA


Der Abend des Führungskräftetages war ganz dem 75-jährigen Jubiläum des Deutschen Führungskräfteverbands ULA gewidmet. In seiner Festrede würdigte ULA-Präsident Roland Angst die Entwicklung des Verbands als Stimme der Führungskräfte und als festen Bestandteil der arbeits- und wirtschaftspolitischen Debatten in Deutschland.

Die Arbeit der ULA wurde auch von ihrem europäischen Dachverband CEC European Managers gewürdigt. CEC-Präsident Maxime Legrand betonte zudem die Wichtigkeit eines geeinten Europas: „Europa ist nicht schwach. Es ist stark,  aber noch immer zu fragmentiert. Unsere Aufgabe besteht jetzt darin, wirtschaftliche Stärke, Talent und Geschichte in eine gemeinsame Richtung zu lenken – und in das Vertrauen, gemeinsam zu handeln.”

Aus der Perspektive des Fußballs blickte der ehemalige Fußballnationalspieler und Kapitän Arne Friedrich auf Teamgeist und Führung. Im Gespräch mit Moderatorin Dr. Julia Kropf sprach er darüber, wie seine Fußballkarriere sein u Verständnis von guter Führung bis heute prägt: „Gewinnen ist für mich keine Frage von Ego, sondern von Vertrauen. Führung heißt nicht, alles zu wissen, sondern Orientierung zu geben und Menschen auch unter Druck miteinander zu verbinden.“

Zum Abschluss des Abends würdigte auch Gitta Connemann (CDU), Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, die langjährige Arbeit des Deutschen Führungskräfteverbands: „Die ULA ist zu einer besonderen Organisation gewachsen. Sie baut Brücken zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Zwischen Führung und Menschlichkeit. Zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden.“

Ein Blick in die Zukunft


Der Deutsche Führungskräftetag 2026 zeigte deutlich: Ob Deutschland auch künftig für seinen hohen Standard an Arbeitnehmerrechten und Wirtschaftskraft bekannt sein wird, hängt davon ab, ob es gelingt, Wettbewerbsfähigkeit, gute Arbeitsbedingungen und gesellschaftliche Verantwortung miteinander zu verbinden. Führungskräfte spielen dabei eine zentrale Rolle – als Gestalter, Vermittler und Brückenbauer, die ihre Teams fördern, qualifizieren und in eine wettbewerbsfähige Zukunft führen.

Der Blick richtet sich nun auf das kommende Jahr: Der nächste Deutsche Führungskräftetag findet am 17. Juni 2027 in Berlin statt.

Weitere Eindrücke vom Führungskräftetag

Blick aufs Publikum beim Deutschen Führungskräftetag 2026 in Berlin.
Fotos: Jens Schicke – ULA
Arne Friedrich (Stiftungsgründer, Podcasthost und ehemaliger Fußballnationalspieler) und Moderatorin Dr. Julia Kropf sprechen zum Thema „Gewinnen ist Teamsache“.
An der Paneldiskussion „Neue Arbeitswelt, neue Führung: Chancen für Deutschlands und Europas Wettbewerbsfähigkeit“ haben unter anderem Esra Limbacher (Stellvertretemder Fraktionsvorsitzender der SPD im Deutschen Bundestag und Co-Sprecher des Seeheimer Kreises) sowie die 1. Vorsitzende des VAA Dr. Birgit Schwab teilgenommen.
ULA-Präsident Roland Angst bei der Eröffnung des Deutschen Führungskräftetages 2026.
Gitta Connemann (CDU/CSU) ist Parlamentarische Staatssekretärin.
Von links nach rechts: Oliver Hartmann (Mitglied des Sprecherausschusses der Siemens AG), Denise Helwerth (CURIA-Vorständin), Marc Biadacz (Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Arbeit und Soziales), Franziska Röhr (Director of Future Regulatory Demands der Gateway Factory) und ULA-Vizepräsident Dr. Christoph Gürtler.
Paneldiskussion „Leadership 2030 – wie Führungskräfte sich heute für die Zukunft aufstellen“ mit ULA-Vizepräsident Dr. Benjamin Koch, Dr. Anke Henrici (Mitglied des Sprecherausschusses der Bayer AG) Katharina Beck (Sprecherin für Finanzpolitik der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen) und Jannis Poestges (Capital Top 40u40, Leader for Democracy 2025 und Führungskraft bei Netflix – von links nach rechts).
Von links nach rechts: ULA‑Hauptgeschäftsführer Michael Schweizer, Ralph Brinkhaus (ehemaliger Fraktionsvorsitzender sowie Sprecher für Digitales und Staatsmodernisierung der CDU/CSU‑Bundestagsfraktion) und ULA‑Präsident Roland Angst.
Kai Wegner ist Regierender Bürgermeister von Berlin
Foto: Yves Sucksdorff – Senatskanzlei

Grußwort des Regierenden Bürgermeisters von Berlin Kai Wegner

Führungskräfte in Wirtschaft und Politik sind das Bindeglied zwischen der Vision eines Unternehmens oder einer Partei und der praktischen Umsetzung. Sie sind weit mehr als nur Vorgesetzte – sie sind Gestalter und geben in einer komplexen Welt die Richtung vor. Der Deutsche Führungskräfteverband ULA ist dabei die „Stimme für Leistung und Verantwortung“ – und das bereits seit 75 Jahren. Ich gratuliere herzlich zu diesem beeindruckenden Jubiläum.

Die Welt verändert sich rasant, und damit auch die Rahmenbedingungen für Wirtschaft und Politik. Der technologische Fortschritt, insbesondere die Künstliche Intelligenz, bietet große Chancen – und stellt uns alle aber auch vor Herausforderungen. Deshalb ist gerade in Zeiten des Wandels gute Führung von größter Bedeutung. Und ich denke an die globalen Krisen und Kriege, deren Auswirkungen auch bei uns spürbar sind. Die Transformation wird durch die Menschen gestaltet und begleitet, die mutig führen.

Führungskräfte wirken in vielen verschiedenen Bereichen, das zeigen die Mitgliedsorganisationen des Deutschen Führungskräfteverbands ULA eindrücklich. So verschieden die Branchen oder Themen sind, die führenden Köpfe agieren als Vorbilder in ihren Organisationen. Sie spielen eine entscheidende Rolle, die Transformation dort voranzutreiben, Orientierung und Stabilität zu geben und auch den sozialen Zusammenhalt sicherzustellen.

Und Wandel ist möglich. Der Berliner Senat hat die umfassendste Reform der Berliner Verwaltung seit Jahrzehnten auf den Weg gebracht. Das Landesorganisationsgesetz (LOG) ist Anfang 2026 in Kraft getreten, jetzt setzen wir es Schritt für Schritt in der Verwaltung um. Auch bei diesem Prozess kommt es auf die Führungskräfte in der Berliner Verwaltung an – sie müssen diese Reform leben und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf diesem Weg mitnehmen.

Egal, ob in Wirtschaft oder Politik: Es sind Führungskräfte, die den Wandel mitgestalten – mit Leistung und Verantwortung. Ich wünsche dem Deutschen Führungskräfteverband weiterhin viel Erfolg und für die Zukunft alles Gute.

Grußwort von CEC-Präsident Maxime Legrand

Maxime Legrand ist Präsident des Dachverbands der Führungskräfte in Europa CEC European Managers.
Maxime Legrand ist Präsident des Dachverbands der Führungskräfte in Europa CEC European Managers. Foto: CEC

Europa: von Koordination zu gemeinsamer Verantwortung

Vor 75 Jahren wurde die ULA in einem Europa gegründet, das sich noch von einem der dunkelsten Kapitel seiner Geschichte erholte. Im selben Jahr entstand die CEC European Managers. Diese Parallele ist kein Zufall. Sie spiegelt eine gemeinsame Überzeugung wider: Der Wiederaufbau Europas war nicht nur eine politische Aufgabe, sondern auch eine Frage guter Führung.

Die europäischen Organisationen gingen nicht aus Institutionen hervor. Sie wurden von Führungspersönlichkeiten aufgebaut - von Frauen und Männern, die verstanden, dass Europa über Verträge und Erklärungen hinaus nur dann existiert, wenn es im Alltag funktioniert: in Unternehmen, in Teams, in konkreten Entscheidungen.

Von Beginn an haben Führungskräfte genau diese Rolle übernommen, indem sie Visionen in konkretes Handeln übersetzten, Strategie mit Realität verbanden und dafür sorgten, dass die Zusammenarbeit zur gelebten Praxis wurde. Sie waren und sind es, die Europa tragfähig machen - nicht auf Gipfeln, sondern in Organisationen. 75 Jahre später ist diese Rolle komplexer – und wichtiger denn je.

Europa hat viel erreicht: einen Binnenmarkt, gemeinsame Regeln, einen einzigartigen Raum der Zusammenarbeit und des sozialen Ausgleichs. Und doch bleibt eine zentrale Herausforderung bestehen: Uns Europäern fällt es bis heute schwer, als strategisch handelndes Ganzes aufzutreten.

Europäische Unternehmen bilden noch kein geschlossenes Ökosystem. Unsere Finanzmärkte sind weiterhin fragmentiert und können deshalb weniger großvolumige Investitionen mobilisieren, die unsere Unternehmen benötigen, um im globalen Wettbewerb bestehen zu können. Bei Energie, kritischen Rohstoffen und Schlüsseltechnologien sind wir nach wie vor zu abhängig von anderen. Doch Abhängigkeit ist in der heutigen Welt nie neutral: Sie begrenzt Handlungsspielräume und verlagert Einfluss nach außen.

Andere große Akteure handeln schneller, geschlossener und mit klarer Zielrichtung. Vor diesem Hintergrund ist Europas Fragmentierung kein Randthema. Sie macht uns verwundbar und schwächt zunehmend unsere Fähigkeit, die eigene Zukunft zu gestalten.

Gerade deshalb ist die Verbindung zwischen ULA und CEC so wichtig. Sie steht für eine gemeinsame Verantwortung: Zusammenarbeit im Alltag wirksam zu machen, über Grenzen und Branchen hinweg.

Tag für Tag vernetzen Führungskräfte Teams, stimmen Ziele ab und übersetzen gemeinsame Ambitionen in greifbare Ergebnisse. Sie nehmen sich der zunehmenden Komplexität an, damit Organisationen handlungsfähig bleiben. In diesem Sinne sind sie das verbindende Element der europäischen Integration.

Doch Europa funktionsfähig zu machen, genügt heute nicht mehr. Die entscheidendere Frage lautet: Gelingt es uns, Europa zum Handeln zu bringen? Koordination allein gibt noch keine Richtung vor. Und ohne Richtung verliert selbst das stabilste System an Dynamik. Es geht darum, klar zu definieren, was wir gemeinsam erreichen wollen und den Mut zu haben, diesen Weg auch zu gehen.

Europa verfügt über Ressourcen, Talente und Erfahrung. Alles Weitere ist eine Frage von Willen, Entschlossenheit und Vertrauen.

75 Jahre nach ihrer Gründung erinnert uns die ULA daran, dass Fortschritt nicht von selbst entsteht. Er verlangt Engagement, Verlässlichkeit und den Willen, gemeinsam voranzugehen.

Der nächste Schritt geht über Zusammenarbeit hinaus. Es geht darum, eine gemeinsame Richtung einzuschlagen, nicht nur in Erklärungen, sondern in den täglichen Entscheidungen derjenigen, die Europa leise, aber wirksam von innen heraus gestalten.

Corporate Governance

Manuela Rousseau ist Professorin für Kultur- und Medienmanagement am Institut KMM in Hamburg.
Manuela Rousseau ist Professorin für Kultur- und Medienmanagement am Institut KMM in Hamburg, VAA-Mitglied und war langjährige Vorsitzende der VAA-Kommission Aufsichtsräte. Foto: privat

Transformation beginnt im Aufsichtsrat

Von Prof. Manuela Rousseau und Prof. Julia Duwe

Ob Krisen, Klimawandel oder KI: Täglich kämpfen Führungskräfte mit neuen Herausforderungen: Ein Unternehmen zu führen, heißt heute, es zu transformieren. Diese Führung beginnt im Aufsichtsrat.

„Es ist still im Raum. Die Unterlagen liegen vor uns. Quartalszahlen. Risikoberichte. Der nächste Punkt auf der Agenda: eine Investition in ein zukünftiges Geschäftsfeld.“ Manuela Rousseau erinnert sich an unzählige solcher Momente in ihren 25 Jahren im Aufsichtsrat von Beiersdorf, zuletzt als Stellvertretende Vorsitzende. „Eine Zeit zwischen Stabilität und Disruption, zwischen verlässlichem Kerngeschäft und der Frage: Was kommt als Nächstes?“ Ein Aufsichtsrat hat eine gesetzliche Pflicht zur Kontrolle. Aber wer nur kontrolliert, verpasst seine zweite Aufgabe: Zukunft ermöglichen.

Was die Expertin beschreibt, spitzt sich in vielen Branchen heute dramatisch zu: Unternehmen müssen mit aller Kraft ihr Kerngeschäft erhalten und gleichzeitig ein neues Standbein für die Zukunft bauen. Den Spagat bezeichnet die betriebswirtschaftliche Forschung als „Ambidextrie“, auch „Beidhändigkeit“. Es geht um die Fähigkeit, widersprüchliche Strategien gleichzeitig zu verfolgen, das Kerngeschäft zu stabilisieren und es gleichzeitig zu transformieren.

Ambidextrie ist Schlüsselkompetenz für große Transformationen. Je unsicherer das Umfeld, desto unbekannter und risikobehafteter werden die Entscheidungen. Die Rolle des Aufsichtsrats gewinnt in diesem Umfeld stark an Bedeutung. Das Gremium trägt Entscheidungsmacht auf Zeit. Wer diese Rolle in einer Zeit der Umbrüche auf die Rückschau und Kontrolle reduziert, verhindert schlimmstenfalls die Transformation des Unternehmens.

Es geht darum, nicht nur die Risiken zu betrachten, sondern strategische Weichen für die Zukunft zu stellen. Dabei wächst die Fülle an neuen Themen, in denen strategisches Sparring durch den Aufsichtsrat benötigt wird, mit Höchstgeschwindigkeit. Um nicht nur mitzuhalten, sondern ihrer Zeit voraus zu sein, müssen die Gremien sich kontinuierlich selbst erneuern.

Ambidextrie ist dabei keine Einbahnstraße vom Aufsichtsrat zum Vorstand. Leitende Angestellte stehen im operativen Spannungsfeld. Sie spüren früher als jedes Gremium, wo Strukturen zu eng werden, wo Märkte kippen, wo Kultur Veränderung braucht. Ein aktiver Aufsichtsrat schafft Räume, in denen diese Perspektiven gehört werden. Nicht als Umgehung des Vorstands, sondern als strategische Tiefenschärfe. Die Qualität eines Aufsichtsrats misst sich nicht nur an seinen Beschlüssen, sondern an den Fragen, die er stellt und an der Offenheit, unbequeme Antworten auszuhalten.

In der Theorie klingt das alles einfach. In der Realität ist es schwer. Manuela Rousseau erinnert sich an eine Sitzung, in der über hohe Investitionen in ein neues Marktsegment diskutiert wurde: „Das Kerngeschäft lief stabil. Die Zahlen stimmten. Ein Kollege ermahnte uns: ‚Warum ein Risiko eingehen? Wir dürfen das Kerngeschäft nicht gefährden.‘ Ich hörte da etwas anderes. Es war ein Festhalten am Status quo. ‚Wir dürfen uns nicht verändern.‘“

Aber Ambidextrie bedeutet, genau in diesen Momenten Verantwortung zu übernehmen und zu fragen: „Was passiert mit unserem Unternehmen, wenn wir es nicht tun?“ Ambidextrie ist kein theoretisches Modell. Sie ist eine Haltung. Es ist die Bereitschaft, Unsicherheit nicht reflexhaft abzulehnen, sondern mit ihr zu arbeiten und Zukunft zu ermöglichen.

Dr. Julia Duwe ist Professorin für Strategic Transformation Design an der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd. Sie ist Expertin für Innovationsmanagement, Leadership und organisationale Ambidextrie.

Dr. Julia Duwe ist Professorin für Strategic Transformation Design an der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd.
Foto: Fotofabrik Stuttgart

Weiterbildung

Symbolbild zur Seminarsituation
Foto: Jacob Lund – Shutterstock

Aktuelle Seminare des FKI

Für Fach- und Führungskräfte bietet das Führungskräfte Institut (FKI) zahlreiche maßgeschneiderte Weiterbildungsseminare an – zu exklusiven Sonderkonditionen für VAA-Mitglieder und Mitglieder von Mitgliedsverbänden der ULA. Hier wird eine kleine Auswahl vorgestellt. Informationen zu weiteren Präsenz- und Onlineseminaren sowie zur Anmeldung gibt es auf www.fki-online.de.

Souverän präsentieren und auftreten
9. Juni 2026 – Webseminar – zweieinhalb Stunden
Fach- und Führungswissen so zu präsentieren, dass sich andere vom Gesagten angesprochen und überzeugt fühlen, ist entscheidend für den Erfolg, ob in Präsenz oder online. Referent Peter A. Worel erläutert, wie man wirkungsvoller als der Durchschnitt kommuniziert und präsentiert.

Konflikte und andere schwierige Gespräche
15. Juni 2026 – Webseminar – anderthalb Stunden
Konflikte sind unangenehm – sowohl für involvierte Personen als auch für unfreiwillige Beteiligte. Referent Zach Davis gibt wirksame Anleitungen, um Konfliktsituationen die Brisanz zu nehmen und auf einer sachlichen sowie konstruktiven Ebene gute Lösungen für alle Beteiligten zu finden.

Abfindungen effizient gestalten
17. Juni 2026 – Webseminar – zweieinhalb Stunden
Verlassen Fach- und Führungskräfte ihr Unternehmen gegen Zahlung einer Abfindung, können sie durch die richtige Gestaltung hohe Steuerersparnisse erzielen. In diesem Seminar erläutern Rechtsanwalt Gerhard Kronisch, Finanzexpertin Marion Lamberty und Steuerberater Lutz Runte die wichtigsten Grundlagen.

Prioritäten setzen und umsetzen
25. August 2026 – Webseminar – anderthalb Stunden
Was sind sinnvolle Prioritätskriterien? Welches sind die größten Fallen, die im Arbeitsalltag immer wieder auftreten? Wie behält man den Überblick über die Vielzahl der Aufgaben? In diesem Seminar erklärt Top-Speaker Zach Davis, wie Fach- und Führungskräfte ihr Denken in Bezug auf Zeit verbessern.

ChatGPT, Copilot, Firefly & Co. – KI effektiv einsetzen
8. September 2026 – Webseminar – zweieinhalb Stunden
Im Bereich der Künstlichen Intelligenz ist die Entwicklung atemberaubend. In Zukunft wird das Arbeitsleben immer stärker von KI-Unterstützung geprägt sein. Welche KI-Tools gibt es und wie setzt man sie ein? In diesem Seminar gibt IT-Experte Guido Stiebitz einen Überblick und stellt die wichtigsten Werkzeuge vor.

Vorschau der ULA-Termine


Der Deutsche Führungskräfteverband ULA führt regelmäßig Veranstaltungen zu verschiedenen Themen aus Politik, Wirtschaft und Arbeit durch, die für Fach- und Führungskräfte sowie alle Mitglieder der ULA-Verbände relevant sind.

Deutscher Führungskräftetag 2026 auf YouTube
Die Highlights des wichtigsten Führungskräfte-Events des Jahres gibt es im Veranstaltungsfilm auf YouTube!

Alle Informationen zu den Veranstaltungen und zur Anmeldung sind unter www.ula.de zu finden.

Erweitertes Informationsangebot
Alle vier bis sechs Wochen informiert die ULA aktuell und umfassend über die politischen Arbeitsschwerpunkte in Berlin und Brüssel, die neuesten Trends im Bereich Führung sowie bevorstehende Veranstaltungen. Hierzu können die ULA Nachrichten – in Ergänzung zur gedruckten Fassung – auch kostenfrei als Newsletter bezogen werden. Die Registrierung erfolgt einfach und bequem online unter www.ula.de/news/ula-nachrichten.