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So! Haben Sie noch Fragen? Denn deutlicher geht’s ja kaum. Wie oft wünscht man sich, dass Politiker endlich einmal die Wahrheit sagen? Und wenn es dann so weit ist, bleiben viele mit offenem Mund zurück: „Im Moment verwalten wir hier weitestgehend den Niedergang.“ So sprach Jens Spahn zur besten Sendezeit bei Caren Miosga über den Standort Deutschland. Kurz darauf gab Kanzler Merz beim Bundesverband der Deutschen Banken zu Protokoll: „Die gesetzliche Rentenversicherung allein wird allenfalls noch die Basisabsicherung sein.“ Die Banker mussten schmunzeln, manch anderer im Volk wurde hellhörig. Besonders im Osten, wo 75 Prozent der Rentner ausschließlich auf die gesetzliche Rente angewiesen sind. In Westdeutschland sind es immerhin 52 Prozent.
Die Chefin der IG Metall antwortete prompt: „Wenn die Regierung die gesetzliche Rente kürzt, dann brennt die Hütte!“ Jesses! Und da heißt es immer, die größte Gefahr gehe von Putin aus. Wir leben dem Anschein nach in vorrevolutionären Zeiten – vielleicht sogar im „Vormerz“ (ja, Geschichte wiederholt sich, wenn auch im Schriftbild etwas modernisiert) und die IG Metall und der DGB bereiten eine neue Revolte à la 1848 vor.
Überhaupt ist Friedrich Merz gerade sehr masochistisch unterwegs. Beim DGB-Kongress handelte er sich Buhrufe und Pfiffe ein und als er die bevorstehende Rentenreform ansprach und meinte, es sei doch keine „Bösartigkeit von mir oder der Bundesregierung“, sondern „Demografie und Mathematik“, gab es höhnisches Gelächter. Und weil dies noch nicht genug der Demütigung war, folgte noch ein Besuch bei der SPD-Fraktion: „Selten, dass jemand links von mir steht“, scherzte der SPD-Fraktionsvorsitzende Miersch mit Blick auf den neben ihm stehenden Bundeskanzler. Und der dachte: Super, wieder ein Meme für die AfD-Konten auf Social Media.
Aber Tagespolitik hin oder her, kommen wir zu den wirklich wichtigen Fakten und den fast schon gebetsmühlenartig wiederholten Warnungen, dass Putin spätestens 2029 die Ostflanke der NATO angreifen wird. Gegenseitig sanktioniert wird ja sowieso schon bis an die Grenze des Machbaren. So verordnete Putin ein Importverbot von europäischem Ziegensperma. Gemein! Und die EU hat jetzt das 20. Sanktionspaket gegen Russland geschnürt, um den Feind zu schwächen. Vom Ausfuhrverbot betroffen sind nun auch alltägliche Güter wie Deos, Rasierwasser und Toilettenpapier. Denn merke: Der Russe ist nicht nur böse, sondern er stinkt auch. Kleiner Tipp: Wir Deutschen sollten bei der nächsten Pandemie (Hanta und Ebola klopfen ja schon fleißig an der Tür) keinesfalls wieder Unmengen an Klopapier horten, denn das macht uns zum bevorzugten Opfer für kosmetikartikelbedürftige Russen.
Aber ernsthaft: Im unvermeidlichen und somit bevorstehenden Bündnisfall wird erwartet, dass Deutschland als Dreh- und Angelpunkt für den Aufmarsch der NATO-Truppen bereitsteht. Bis zu 180.000 Soldaten sollen dann in Deutschland stationiert werden. Bloß gut, dass die Landwirte in den letzten Jahren immer mehr Brachflächen anlegen mussten, denn eine solche Menge an Zeltlagern will ja auch irgendwo aufgebaut werden.
Apropos Landwirtschaft – die bayerische Landwirtschaftsministerin mahnte Anfang des Jahres: „Deutschland muss auch darauf vorbereitet sein, im Verteidigungsfall Hunderttausende NATO-Soldaten mit Nahrung zu versorgen.“ Die gute Nachricht: Bei Getreide, Fleisch, Milch, Kartoffeln und Zucker liegt unser Selbstversorgungsgrad bei über 100 Prozent. Bei Obst, Gemüse, Pflanzenölen und Eiern allerdings deutlich darunter. Ich verrate jetzt nicht, was in meinen heimischen Beeten, auf meiner Streuobstwiese und in meinem Hühnerstall so alles wächst und gedeiht – wer schlau kombiniert, wird schnell merken: ich bin vorbereitet –, muss das Ganze dann eben nur wahlweise mit NATO-Soldaten oder marodierenden Russenhorden teilen.
Innenminister Dobrindt will jetzt zehn Milliarden locker machen, um Tiefgaragen und andere unterirdische Hallen zu katalogisieren. Wann eröffnet eigentlich Stuttgart 21? Noch vor 2029? Ich frage für einen Freund aus Süddeutschland. Auch 110.000 Feldbetten wurden laut Dobrindt schon gekauft – sprich, jeder 759. Deutsche kann sich hinlegen. Der Rest soll, laut Kanzler, ja sowieso mehr arbeiten. Das Beruhigende ist, dass im Katastrophenfall die zukünftigen Schulabgänger beim aktuellen Bildungsniveau und vorherrschenden Lehrermangel keine Revolution vom Zaun brechen werden. Denn sie werden nicht nachrechnen, sondern beruhigt darauf vertrauen, dass sie grob geschätzt einmal im Jahr aufs Feldbett dürfen. Na, dann wird doch alles gut.
Mit seinen verschiedenen Kabarettprogrammen reist der Dresdner Kabarettist Erik Lehmann quer durch Deutschland und hat auch schon diverse Preise gewonnen. Unter dem Pseudonym Uwe Wallisch vertreibt der passionierte Hobbyimker zudem seinen eigenen Honig. Auf der Website www.knabarett.de ist Lehmann jederzeit käuflich und bestellbar. Honig gibt es auf uwes-landhonig.de.