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Betriebsrätekonferenz in Mainz

VAA-Jurist Thomas Spilke hat auf der VAA-Betriebsrätekonferenz 2026 aus der aktuellen Rechtsprechung berichtet.
VAA-Jurist Thomas Spilke hat auf der VAA-Betriebsrätekonferenz 2026 aus der aktuellen Rechtsprechung berichtet. Foto: VAA

Rückenwind durch Wahlerfolge

Warum ist die Betriebsratsarbeit so wichtig für eine wirksame Interessenvertretung der außertariflichen Angestellten? „Weil über die konkreten AT-Arbeitsbedingungen in den Betrieben nur im Betriebsrat entschieden wird, nirgendwo sonst“, betont VAA-Geschäftsführer Thomas Spilke. Seit vielen Jahren betreut der VAA-Jurist aus dem Berliner Büro die Betriebsratsarbeit vonseiten der Geschäftsstelle. Auch auf der Betriebsrätekonferenz Anfang Juni 2026 in Mainz war Spilke als Organisator, Moderator und Referent dabei, nicht zuletzt, um über die Ergebnisse der zurückliegenden Betriebsratswahlen in den Unternehmen der Chemie- und Pharmaindustrie zu diskutieren und die AT-Interessen in der betrieblichen Mitbestimmung zu stärken.

Für den VAA sind die Betriebsratswahlen, die bis zum 31. Mai 2026 in den Unternehmen der Chemie- und Pharmaindustrie in Deutschland durchgeführt worden sind, sehr erfolgreich verlaufen. „Wo der VAA antritt, gewinnt er mit ganz wenigen Ausnahmen hinzu“, berichtet VAA-Geschäftsführer Thomas Spilke. Verluste entstünden fast nur durch die Pensionierung langjähriger VAA-Mitglieder. Man habe tolle Ergebnisse in den „Leuchttürmen“ wie Merck, BASF und Roche erzielt. „Außerdem konnten viele VAA-Mitglieder im Zuge dieser Wahlen neu den Betriebsratsvorsitz erringen.“ Für den Vorsitzenden der VAA-Kommission Betriebsräte Martin Kubessa ist die Sache ebenfalls klar: „Der VAA hat Wort gehalten und die Kandidatinnen und Kandidaten bei der Betriebsratswahl intensiv unterstützt. So ist es gelungen, wieder viele Betriebsrätinnen und Betriebsräte aus VAA-Reihen in den Unternehmen zu positionieren.“

Zu den „Ergebnis-Highlights“ zählt für Thomas Spilke unter anderem die BASF Ludwigshafen: „Trotz Verkleinerung des Gremiums um fünf Sitze haben wir die VAA-Stärke von sieben Sitzen gehalten.“ Auch bei Merck habe man 38,3 Prozent der Stimmen erreicht, was trotz Verkleinerung des Gremiums um zwei Sitze einem Plus von drei Sitzen entspricht. „Bei Roche Mannheim konnte die VAA-geführte „Freie Liste“ ihr Ergebnis von sieben auf 14 Sitze verdoppeln. Bei Evonik in Hanau kommen wir auf sieben von 23 Sitzen – bei zwei Freistellungen.“ Auch bei Tesa konnte der VAA einen Sitz dazugewinnen, zudem hat Doris Robben den Vorsitz des Gremiums verteidigt.

Weitere Erfolge konnte der VAA mit seiner Mehrheit bei Pfizer einfahren – elf von 15 Sitze inklusive des verteidigten Betriebsratsvorsitzes von Rebecca Prager. Bei Heraeus Precious Metals konnte die VAA-geführte Liste 46 Prozent der Stimmen gewinnen – ein Plus von zwei Sitzen. Dazu ist VAA-Mitglied Volker Skowski neuer Betriebsratsvorsitzender. „Bei Sanofi ist die IGBCE nun ohne eigene Mehrheit geblieben“ so Spilke. „Der VAA hat einen neunten Sitz dazugewonnen und stellt jetzt mit Torsten Gleich den Stellvertretenden Vorsitzenden. „Last but not least ist auch das Ergebnis bei Beiersdorf bemerkenswert“, findet Thomas Spilke. „Dort haben wir zehn von 21 Sitzen und Barbara Wentzel als neue Betriebsratsvorsitzende.“

Auswertung der Ergebnisse läuft weiter


Die Endergebnisse der Betriebsratswahlen liegen noch nicht vollständig vor. Es kommen immer noch neue Informationen aus Werksgruppen und einzelnen Betrieben beim hauptamtlichen Betriebsratsarbeitsteam um Thomas Spilke an. Zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses sind dem VAA 235 VAA-Mitglieder als gewählte Betriebsratsmitglieder gemeldet worden, darunter auch 14 Vorsitzende und zwölf Stellvertretende Vorsitzende.

„Das Ziel von 250 Mandaten erscheint immer noch realistisch“, so Thomas Spilke. „Allerdings sind wir mit der Erfassung der Ergebnisse noch nicht komplett durch. Es fehlen noch einige Betriebe, die wir gesondert angeschrieben haben.“ VAA-Vorstandsmitglied und Boehringer-Betriebsrätin Dr. Monika Brink geht ebenfalls davon aus, dass die Gesamtzahl der VAA-Betriebsräte gehalten werde. „Wir haben jedoch öfter als bisher den Vorsitz oder die Stellvertretung und auch Freistellungen – ein toller Erfolg!“

Neue Gesichter auf der Konferenz


Der Wahlerfolg spiegelte sich in der Betriebsrätekonferenz wider. „Das Engagement der Teilnehmerinnen und Teilnehmer drückt das direkt aus“, so VAA-Vorstandsmitglied Martin Kubessa, der sein Mandat als freigestellter Betriebsrat bei Evonik in Marl 2026 erneut verteidigt hat. Da die Konferenz nach Abschluss der Betriebsratswahlen stattgefunden hat, waren neben erfahrenen Betriebsratsmitgliedern auch einige neu in die Gremien gewählte dabei. „Auch die bestätigen, dass Betriebsratsmitglieder neugierige Menschen sind – immer offen und ohne Scheu, Fragen zu stellen“, stellt Monika Brink fest. „Sie waren direkt in die Community integriert.“ Der Austausch zwischen „alten Hasen“ und Neulingen könne nicht besser gelingen, findet auch Kubessa. „Schon allein mit den Anregungen zum Onboarding neuer Betriebsratsmitglieder könnten wir mit einer Seminarreihe ‚über die Lande ziehen‘.“

Auf der Konferenz wurden unter anderem fünf Praxisthemen wie AT-Vergütungssysteme, Investigativverfahren bei Complianceverstößen oder Mitbestimmung bei KI-Anwendungen parallel in wechselnder Gruppenzusammensetzung im World-Café-Format bearbeitet. Außerdem haben hochkarätige Referentinnen und Referenten zu betriebsratsrelevanten Themen Stellung bezogen, beispielsweise Susanne Schaperdot von der Kanzlei LNS Rechtsanwälte. Sie erläuterte die Organisationsstrukturen von Gesamt-, Konzern- und Euro-Betriebsrat vor dem Hintergrund der Mitbestimmung in Matrixstrukturen. Aus dem Vortrag der Fachanwältin für Arbeitsrecht hat Monika Brink einiges für ihre praktische Arbeit mitgenommen: „Eine Aufgabe der Betriebsräte, die ich persönlich noch einmal bei uns in den Betriebsrat reinbringen möchte: statistischen Auffälligkeiten nachgehen, bei vielen Fehltagen in einem Team oder einer hohen Fluktuation bei Mitarbeitenden. Danke an Susanne Schaperdot für den Tipp.“

Zu den am meisten diskutierten Themen auf der Konferenz gehörte die Rückkehr aus dem Homeoffice, erklärt von Nils Kummert, Fachanwalt für Arbeitsrecht bei dka Rechtsanwälte. „Die Arbeitgeberseite scheint oft Druck ausüben zu wollen, ohne jedoch langfristige Effekte zu berücksichtigen“, resümiert VAA-Vorständin Brink. Auch die Rolle des Betriebsrats bei der Beschäftigungssicherung, vorgestellt von Schekib Fischer von Fischer Rechtsanwälte, war hochaktuell für viele Firmen der Branche. Hier habe es laut Monika Brink viele gute Hinweise gegeben, wie besser für die Kolleginnen und Kollegen verhandelt werden könne.

Verhandlungsstärke und konstruktive Diskussionsfreude sind für eine gute Betriebsratsarbeit essenziell. Dies ist auch auf der VAA-Betriebsrätekonferenz deutlich geworden. Martin Kubessa hat einen nicht ganz ernst gemeinten Rat für die Konferenzgäste: „Wir sollten die Referenten zukünftig vorwarnen. Wer zu blauäugig in seinen Vortrag startet, wird sich wundern, dass er nicht über Folie zwei hinauskommt – spätestens dann ist die Diskussion im Gange.“ Kubessas Vorstandskollegin Brink bestätigt: „Die Diskussionsfreude ist bei den Betriebsräten sehr groß – und das bereichert dieses Event enorm.“

Kampagne als Best-Practice-Beispiel


Diskutiert wurde auf der Konferenz sowohl bei den Vorträgen als auch während der ausgiebigen Netzwerkgelegenheiten. Immer wieder kamen dabei die „Best Practices“ aus der Wahlkampagne zur Sprache. „Ich persönlich fand die Vorlagen für die Flyer und Poster hervorragend“, sagt Monika Brink. Auch die LinkedIn-Aktivitäten seien sehr gut wahrnehmbar gewesen durch die auffällige Farbgebung „im frischen Grün“.

Den Rückmeldungen aus den Kampagnenteams zufolge ist der Wahlkonfigurator überall sehr gut angekommen. „Er wurde sehr gut genutzt, weil inhaltliche Themenvorschläge offenbar gut getroffen wurden“, berichtet Thomas Spilke. Man habe damit eine schnelle und flexible Möglichkeit geschaffen, auf das Tagesgeschehen vor Ort zu reagieren. Die Plattform zur Bestellung von Give-aways für die Wahlwerbung sei ebenfalls wieder extrem gut abgerufen worden, so Spilke weiter. Insgesamt sei das Feedback über die Vielfältigkeit des Angebots sehr positiv gewesen.

Am Ende der Konferenz zogen die rund 50 Teilnehmenden trotz der durch die Branchenkrise bedingten, teilweise äußerst schwierigen Umstände an den Standorten ein positives Fazit. Die Betriebsrätekonferenz zeige laut Monika Brink jedes Mal aufs Neue, wie gut die Betriebsräte ihre Kolleginnen und Kollegen mit ihren Wünschen und Nöten kennen, da sie aus der gleichen Ebene kommen. „Zudem kennen die Betriebsräte die Firmenstrategien, zum Beispiel aus den Wirtschaftsausschüssen, und können so entsprechend langsichtig agieren.“

Als originäre AT-Interessenvertretung komme es entscheidend auf den VAA an – auch und gerade im Betriebsrat, betont VAA-Jurist Thomas Spilke. Bei Themen wie Arbeitszeit, Gehalts- und Bonussystemen, Freiwilligenprogrammen bei Personalabbau sowie Sozialplänen und Gesundheitsschutz ist der Betriebsrat das Gremium, das für die außertariflichen Angestellten zuständig ist. „Deswegen sind wir wirklich stolz auf unsere zahlreichen Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer in jedem einzelnen Betrieb an jedem Standort, an dem wir als VAA vertreten sind.“

Martin Kubessa
Foto: VAA

Martin Kubessa, Vorsitzender der VAA-Kommission Betriebsräte: „Der intensive Austausch sorgte dafür, dass jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer mit einem Koffer voller Praxisideen nach Hause gefahren ist. Das Besondere an der VAA-Betriebsrätekonferenz ist genau dieser Austausch. Nicht nur unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, sondern auch immer mit den Referentinnen und Referenten.“

Rückmeldung der Ergebnisse

Auch im Sommer läuft die Auswertung der Ergebnisse im VAA-Büro Berlin weiter.

  • VAA-Geschäftsführer Thomas Spilke bittet um entsprechende Informationen aus den Werks- und Landesgruppen des VAA: „Wer es noch nicht getan hat, bitte dem VAA einfach per E-Mail an info.berlin@vaa.de die Wahlergebnisse melden. Wir suchen in allen Gremien nach VAA-Mitgliedern, Freistellungen, Vorsitzenden und Stellvertretenden Vorsitzenden.“

    E-Mail ans Berliner Büro senden

Weitere Eindrücke von der Tagung

Wahlen zu den Sprecherausschüssen 2026

Kachelgrafik des VAA für die Sprecherausschusswahlkampagne 2026 mit Dr. Roland Fornika und dem Slogan: „Mitbestimmung ist kein Selbstläufer. Geht wählen.“
Eines der VAA‑Kampagnenmotive für die Sprecherausschusswahlen 2026. Grafik und Foto: VAA

Leitende brauchen starke Interessenvertretung

Parallel zu den Betriebsratswahlen sind im ersten Halbjahr 2026 in den Chemie- und Pharmaunternehmen auch die Sprecherausschüsse der leitenden Angestellten gewählt worden. Gerade in der gegenwärtigen Krisensituation im Umfeld von Restrukturierungen und Beschäftigungsabbau ist die Bedeutung einer wirksamen Interessenvertretung für Leitende im Rahmen der betrieblichen Mitbestimmung gestiegen.

Zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses Mitte Juli 2026 ist die Auswertung der Wahlergebnisse noch auf Hochtouren gelaufen. „Wir gehen davon aus, dass wir als originäre Interessenvertretung der leitenden Angestellten auch in dieser Wahlrunde erfolgreich abschneiden werden“, berichtet VAA-Geschäftsführer Christian Lange, der vonseiten der Geschäftsstelle die Sprecherausschussarbeit des VAA koordiniert.  Bislang seien mehr als 70 Prozent der Sprecherausschussmitglieder zugleich VAA-Mitglieder gewesen. „Bei den Vorsitzenden lag dieser Anteil sogar bei knapp 90 Prozent. Diesen exzellenten Organisationsgrad wollen wir natürlich halten.“

Gemeinsam mit der Öffentlichkeitsarbeit des VAA hat Langes Koordinationsteam auf vielen unterschiedlichen Kanälen auf die Wahl aufmerksam gemacht, um eine möglichst hohe Wahlbeteiligung zu erreichen. Dazu gehörten Aufrufe bei LinkedIn, Vorträge bei Versammlungen von Leitenden, Berichte im VAA Magazin und im VAA Newsletter sowie erstmals die Unterstützung mit Give-aways und einem Wahlkonfigurator, mit dem man sich ähnlich wie für die Betriebsratswahlen Flyer für die Wahl erstellen konnte. „Das hat sich gelohnt“, findet Christian Lange. „Wir erkennen bereits jetzt eine erfreulich hohe Wahlbeteiligung mit durchschnittlich 71,2 Prozent.“

Wie in jeder Wahlkampagne hat es auch 2026 einige Herausforderungen gegeben. Aufgrund der Krise befinden sich viele Unternehmen in Restrukturierungsprozessen. „Die ein oder andere Ausgliederung von Unternehmensteilen führt dazu, dass es in kleineren Unternehmen mit weniger als zehn leitenden Angestellten keinen Sprecherausschuss mehr gibt“, führt Lange an. Die Lücke lasse sich aber, wenn die Unternehmensführung damit einverstanden ist, durch einen sogenannten freiwilligen Sprecherausschuss schließen. „Der VAA kann dabei gern beratend unterstützen. Denn von einem Sprecherausschuss, der von seinen Mitwirkungsrechten Gebrauch macht und sich aktiv einbringt, profitiert nicht zuletzt das Unternehmen – gerade in schwierigen Zeiten.“

Seine Sprecherausschüsse unterstützt, berät und schult der Verband in allen rechtlichen Fragen, von der täglichen Gremienarbeit bis zur Durchführung von Vollversammlungen der Leitenden. „Aktuell bieten wir Seminare für neu gewählte Sprecherausschussmitglieder an, bei denen wir alles Wichtige für die Sprecherausschussarbeit vermitteln“, erklärt VAA-Geschäftsführer Lange. Das Onlineseminar wird am 17. September 2026 über das Führungskräfte Institut FKI angeboten.

Rückmeldung der Ergebnisse

Auch im Sommer läuft die Auswertung der Ergebnisse in der VAA-Geschäftsstelle weiter.

  • VAA-Geschäftsführer Christian Lange bittet um die Meldung entsprechender Informationen aus den Werks- und Landesgruppen des VAA per E-Mail an gabriele.hochsattel@vaa.de. „Wir wollen und werden auch die neu gewählten Sprecherausschussmitglieder gern über aktuelle Entwicklungen in der Rechtsprechung und Gesetzgebung informieren.“

    E-Mail an die Geschäftsstelle senden