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Der Sommerurlaub ist vorüber und ich bin wieder da! Dieses Jahr ging‘s auf Elba. Nicht zur Verbannung, sondern zur Entspannung. Warum Napoleon von diesem magischen Ort wieder wegwollte, ist mir ein Rätsel. Aber er hatte wohl noch viel vor. Die Schlacht bei Waterloo verlieren, zum Beispiel. Ich jedenfalls bin nicht mit Schlachtplänen von der Insel heimgekehrt, sondern mit Erkenntnissen. Einer unserer 13-jährigen Zwillinge fragte mich, warum ich nicht so eine Yacht besitzen würde, wie sie im Hafen unseres Ferienorts vor Anker lag. Ich antwortete: „Weil ich so eine Yacht nicht brauche und mir auch gar nicht leisten kann.“ Daraufhin bat ich ihn, den Preis der Yacht zu schätzen. Er entschied sich für um die 400.000 Euro. Ich musste schmunzeln, sagte „Fast!“ und tendierte auf knapp über eine Million. „Aber die richtige Antwort werden wir wohl nicht rausfinden.“ Er zückte sein Handy, machte ein Foto des Protzkahns, öffnete bei WhatsApp diesen runden Kreis, den ich seit seinem Auftauchen 2025 gekonnt ignoriert hatte, lud das Foto hoch und tippte: „Was kostet diese Jacht?“ Bling! Antwort: „Pershing 5X von Ferretti, Baujahr 2024, Preis zwischen 1.050.000 und 1.350.000 Euro.“ Ich war baff. Nicht etwa darüber, dass ich als Nicht-Yacht-Auskenner ziemlich richtig lag, sondern das so etwas geht … Und, dass mein Sohn Yacht mit „J“ schreibt.
Einen Tag später, im Restaurant eines verschlafenen Bergdorfs, in dem die Menükarte nur auf Italienisch zur Verfügung stand, wollte meine Frau wollte wissen, was das Gericht Nummer drei wohl wäre. Es klänge interessant, aber sie wolle aus bloßer Angst, sich zu verwählen, nicht schon wieder Spaghetti oder Pizza bestellen. Der 13-Jährige Nummer zwei nahm sein Smartphone und ich dachte: Aha, jetzt kommt wieder der Foto-KI-Trick! Aber auch er schaffte es, mich mit einer Variation des Tricks zu verblüffen, als er ein Foto machte und in Sekundenschnelle die ganze Menüseite übersetzen ließ. Bling! Alle Gerichte auf Deutsch und besagter Favorit meiner Frau entpuppte sich als Wildschweinbraten auf traditionellem Kartoffelstampf. Meine Angetraute entschied sich wieder für die Spaghetti. Ich nahm das Wildschwein und war sehr zufrieden.Auf einmal verstand ich, was „ChatGPT: Mach meine Hausaufgaben!“ wirklich bedeutet. Es geht wirklich! Ich hielt das bis dahin für eine Übertreibung, weil ich um alles, was auch nur ansatzweise nach KI riecht, einen großen Bogen mache. Ist meine Art, bin gern „analog“ unterwegs. Mache selbst in Italien das Navi aus und fahre nach Schildern, weil ich mir vorher die Strecke angeschaut habe (auf Google Maps – da tendiere ich dann doch in Richtung Digital Native und bin kein Ötzi, der wegen veralteter Karten orientierungslos in einer Gletscherspalte hängen bleibt). Aber so nach alter Schule den Weg selbst zu finden, das ist meins. Weil ich nicht über den staugeplagten Brennerpass, sondern nachts über den mautfreien Reschenpass nach Italien rein- und rausfahren wollte, und weil meine tief in mir schlummernden schwäbischen Gene – die es wohl geben soll – auch noch die österreichische Autobahnmaut sparen mussten, war eine detaillierte Vorabstreckenplanung unausweichlich.Apropos Reschenpass: Auf dem Rückweg war ein Zwischenstopp am Reschensee, mit dem von hellblau schimmernden Wasser umspülten romanischen Kirchturm aus dem 14. Jahrhundert, ein Muss. Ein wunderschönes Bild, das bei mir in seiner Inkohärenz aber auch ein schauriges Unbehagen auslöste. Begeistert rief der eine 13-Jährige: „Geil, da war vor einer Woche der YouTuber Soundso …“ – sehen Sie es mir nach: Ich habe mir den Namen nicht merken wollen – „… mit seiner Simson!“ und hielt mir mit leuchtenden Augen sein Handy mit dem Instapost des Simson-YouTubers vor die Nase. Der andere 13-Jährige wusste zu berichten: „Ich hab‘ den Turm schonmal auf Netflix gesehen.“ Und ich sagte: „Und am 16. Juli 1950 läuteten hier das letzte Mal die Glocken, weil noch kurz vorher 700 Einwohner in 163 Häusern gewohnt hatten, die seit 1147 von Generation zu Generation weitergegeben wurden, bis ein Energiekonzern aus Mailand einen Staudamm bauen wollte, die Leute zwangsenteignete, die Gebäude sprengen ließ und der Wasserspiegel der zwei vorhandenen Naturseen um 22 Meter anstieg. Das wird auf Insta und Netflix natürlich nicht verraten. Würde ja das seltsam schöne Motiv kaputt machen.“ – „Weißte von Meta AI. Hast‘n Foto gemacht und gefragt, was das hier ist, ne?“ sagten beide 13-Jährigen nacheinander. „Nee“, sagte ich, „steht da oben auf dem Schild. Hab‘ ich abfotografiert und auf dem Weg hier runter zum Ufer durchgelesen.“ – „Voll cringe!“, sagten beide unisono – und ich weiß bis heute nicht, ob sie mich oder die Geschichte rund um den Turm meinten.
Mit seinen verschiedenen Kabarettprogrammen reist der Dresdner Kabarettist Erik Lehmann quer durch Deutschland und hat auch schon diverse Preise gewonnen. Unter dem Pseudonym Uwe Wallisch vertreibt der passionierte Hobbyimker zudem seinen eigenen Honig. Auf der Website www.knabarett.de ist Lehmann jederzeit käuflich und bestellbar. Honig gibt es auf uwes-landhonig.de.