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Nachdem ich in meiner letzten Kolumne als guten Vorsatz fürs neue Jahr ausnahmslos erfreuliche Nachrichten verwursten wollte, wurde mir schnell klar: Das hältst Du nicht lange durch! Deshalb wird dieses Mal so richtig am Fleischwolf gedreht und das nahende Ende genüsslich ausgeschlachtet. Armageddon steht mal wieder bevor – also was soll der Geiz! Mit dem Irankrieg haben wir neben den Konflikten in der Ukraine, Gaza, Sudan, Jemen, Äthiopien – ich zähle sie jetzt nicht alle auf – wieder frisches Bildmaterial von der Front. Kein Wunder, dass Hollywood kriselt! Wer will an der Kinokasse schon Geld für Actionblockbuster ausgeben, wenn doch auf dem Smartphone minütlich die Feuerbälle auftauchen und explodierende Kriegsschiffe untergehen. Doch die Dauerkonflikte dieser Welt sind wie eine ermüdende Telenovela. Das Publikum stumpft ab.
Wäre da nicht die Aufregung an der Heimatfront: An der Tanke blutet das deutsche Autofahrerherz – und wenn nationale Ölreserven angezapft werden und schon wieder laut über ein Sonntagsfahrverbot nachgedacht wird, dann ist der Weltuntergang wahrlich nicht mehr weit. Alles darf man dem Deutschen nehmen: Das Feierabendbier, die Gelbe Tonne, das Selbstwertgefühl, aber nicht das Autofahren!
Schonmal etwas von der „Doomsday Clock“ gehört? Die wurde im Jahr 1947 vom Wissenschafts- und Sicherheitsrat des „Bulletin of the Atomic Scientists“ eingeführt, zu deren Gründervätern auch Albert Einstein und J. Robert Oppenheimer gehörten. Eine symbolische Uhr, die auf die Gefahren für die Menschheit hinweisen soll. Nach dem Motto „Es ist fünf vor zwölf“ stand die Uhr zu ihrer Gründung bei sieben Minuten vor Mitternacht. Anfang dieses Jahres wurde sie auf 85 Sekunden vor Ende gesetzt. Vier Monate später will man gar nicht wissen, wo sie jetzt stehen würde. Mit Sicherheit wieder ein ganzes Stück näher an der Apokalypse. Aber das Schöne an dieser metaphorischen Weltuntergangsuhr ist, dass sie auch zurückgestellt werden kann. Was auch schon mehrmals geschah. 1991, kurz nach dem Mauerfall und der fortlaufenden atomaren Abrüstung, stand sie bei 17 Minuten vor zwölf. Die gute alte Zeit! Im wahrsten Sinne des Wortes.
Zugegeben, Optimismus zu versprühen, erscheint heute schwerer denn je. Und wo setzt man an, um gegenzusteuern? Vielleicht im Kleinen – oder besser gesagt bei den Kleinsten. Nach Australien beginnt man nun endlich auch in verschiedenen europäischen Ländern über ein Verbot von Sozialen Medien für Kinder und Jugendliche nachzudenken. Absolut überfällig! Für meine pupertierende Brut sind TikTok und Insta schon interfamiliär, also von der Elternschaft, qua Amt gesperrt worden. Dies hatte Zuneigungsentzug des Nachwuchses und lautstarken Protest zur Folge. Egal! Wir haben mit Strafzöllen und der Sanktionierung des Taschengeldkontos gedroht. Geiler Trend – hilft immer!
Aber warum fährt die Jugend so ab auf flimmernde Bilderfluten, KI-generierten Unfug und Propaganda aller Art? Es liegt am präfrontalen Kortex. Der Bereich des Gehirns, direkt hinter der Stirn, den man üblicherweise antippt, wenn man jemandem sagen will, dass da wohl nicht mehr alle Tassen im Schrank sind. Dort ist auch unser Bewusstsein zuhause und da werden unter anderem unsere Impulse kontrolliert. Erst mit Mitte zwanzig ist dieser Bereich des Gehirns vollständig ausgebildet und man hat gelernt, kurzfristigen Belohnungen zu widerstehen. Vorher handelt man überwiegend nach dem Lustprinzip. Sprich: Die Jugend kann im Prinzip nix dafür. Das jugendliche Gehirn, stets auf der Suche nach dem nächsten Belohnungskick, ist anfällig für jegliche Art von Drogen. Und der während des Handy-Daddelns ausgeschüttete Botenstoff Dopamin ist durchaus vergleichbar mit Opiaten wie Kokain oder Morphium. Also kommt man um ein Social-Media-Verbot für die Jüngeren nicht umhin.
Und wir Älteren sollten uns den Unsinn grundsätzlich selbst verbieten und gute Vorbilder sein. Lesen Sie mal wieder ein Buch, gehen sie Spazieren, beschimpfen sie Ihren Nachbarn direkt über den Gartenzaun. Probieren Sie es aus: Es ist befreiend und funktioniert! Und man ist danach glücklicher denn je. Man darf natürlich nur nicht den Fehler machen und abends dann wieder die Tagesschau einschalten.
Mit seinen verschiedenen Kabarettprogrammen reist der Dresdner Kabarettist Erik Lehmann quer durch Deutschland und hat auch schon diverse Preise gewonnen. Unter dem Pseudonym Uwe Wallisch vertreibt der passionierte Hobbyimker zudem seinen eigenen Honig. Auf der Website www.knabarett.de ist Lehmann jederzeit käuflich und bestellbar. Honig gibt es auf uwes-landhonig.de.