Demografie: Familie und Karriere

Wer den Schritt von der Erfindung zur Vermarktung schafft, erst der schafft Wohlstand. In Deutschland werden die Erfinder und Produktvermarkter immer älter.

Demografie und Globalisierung stellen das gewohnte Koordinatensystem unseres Wohlfahrtsstaates und der Personalpolitik auf die Probe. Etwa zehn Jahre noch, dann arbeiten mehr 50-Jährige als 20-Jährige in den Firmen.  Die im Jahrestakt älter werdende Arbeitnehmerschaft fordert die Personalpolitik:

Woher den qualifizierten Nachwuchs nehmen, wenn die ehemaligen Babyboomer nahezu gleichzeitig aufhören? Möglicherweise noch schwieriger: Wie kann das Wissen einer ganzen Generation, die im breiten Gleichschritt auf die Rente zumarschiert, auf die viel wenigeren Schultern der jüngeren Forscher und Entwickler übertragen werden?

Dieser Wissenstransfer in den nächsten Jahren darf nicht dem Zufall überlassen werden. Nur im Dialog mit den Arbeitnehmervertretungen lassen sich lernfähige, adaptive und intelligente Arbeitsorganisationen der Unternehmen schaffen; anderenfalls droht massiver Rückschritt.

Die Konkurrenz in aller Welt hat aufgeholt. Die exportorientierte deutsche Wirtschaft behauptete sich früher noch vorwiegend auf Produktmärkten. Nach der Jahrtausendwende findet sie sich auf den Weltmärkten zusehends einer Preiskonkurrenz ausgesetzt. Es ist schwerer geworden, mit besonders hochwertigen Produkten im Außenhandel hohe Gewinnmargen zu erzielen. Die sind aber nötig, um intensive Forschung und die Chance auf nachhaltige Wissensvorsprünge zu finanzieren.

Vorbei auch die Zeiten, in denen man die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Schwebe beließ. Dr. Harald Schwager, der Arbeitsdirektor der BASF, gab auf der gemeinsamen Sozialpartnerfachtagung des Bundesarbeitgeberverbands Chemie BAVC und VAA dem Thema eine ganz neue Richtung: Familie und Karriere sei das Thema der Zukunft!

Egal, ob Mann oder Frau, volle Verantwortung in beiden Bereichen zu schultern, gelingt nur, wenn berufliche Anerkennung keine Frage überdurchschnittlicher Anwesenheit ist - nicht verdeckt und nicht versteckt. Gewiss: Führung ist eine umso komplexere Leistung, je geteilter sie in Verantwortung erbracht werden muss. Aber Führung ist teilbar.

Doch ohne ein solides, bereits im Kindergarten und der Schule gelegtes Fundament an mathematisch-naturwissenschaftlichem Wissen und der Begeisterung für Technik sind alle späteren Anstrengungen vergeblich. Wem Technik stets Teufelswerk war, wer Informatik als Machwerk der Unzivilisierten scheut, wer Kultur nur im Feuilleton vermutet, der verspielt fahrlässig die Zukunft.

Die Devise muss angesichts der demografischen Entwicklung lauten: Auf in die Zukunft, Vertrauen in die Ratio und raus aus den irrationalen Ängsten der sogenannten Risikogesellschaft! 

Dr. Thomas Fischer
1. Vorsitzender